FAQs

Stand: 05/2017

Wie gefährlich ist Canyoning?
Canyoning wird häufig als Extrem-Sportart dargestellt, wie aber bei fast allen anderen Sportarten auch, kann man Canyoning auf einem sehr sicheren Level betreiben. Wichtig ist hierbei sicher die Frage, ob man an einer geführten Tour mit ausgebildetem Guide teilnehmen möchte oder sich z. B. alleine an eine Tour wagt. Ersteres ist bis auf objektive alpine Gefahren, wie z.B. Steinschlag, als sehr sicher einzuschätzen. Im Gegensatz hierzu setzen Touren auf eigene Faust ein spezifisches Fachwissen voraus, da sich die Seiltechnik vom Klettern teils stark unterscheidet. Hochwassersituationen stellen zusätzlich eine große Gefahr dar, da es in eng geschnittenen Schluchten häufig schwierig ist, schnell zu entkommen. Auch gruppendynamische Prozesse sind nicht zu unterschätzen, wenn beispielsweise aus immer größerer Höhe gesprungen wird. Hier liegt sicher das größte Reduktionspotenzial für die Unfallstatistik.
Wie anstrengend ist Canyoning?
Canyoning wird gelegentlich als Fünfkampf der Alpen betitelt: Klettern, Schwimmen, Springen, Rutschen, Abseilen. All diese Disziplinen können im Neoprenanzug anstrengend wirken, da die Bewegungsfreiheit mit Anzug sicherlich als eingeschränkt bezeichnet werden kann. Auch wenn die Palette an Canyoningtouren von leicht bis extrem reicht, ist eine gute physische Konstitution bzw. Grundkondition sicher von Vorteil und lässt die Sache deutlich entspannter angehen. Es ist sicher sinnvoll, dieses Thema vor der Tour mit dem Guide zu besprechen bzw. bei der Tourenplanung zu berücksichtigen.
Wie werde ich Canyoning Guide?
Durch eine Ausbildung zum Canyoning-Guide bzw. Schluchtenführer. Ausbildungen werden in verschiedenen Nationen zu verschiedenen Preisen angeboten. Hier ist teilweise Vorsicht geboten, da immer noch Ausbildungen angeboten werden, die keine Verbandsrücklage und/oder rechtlichen Rückhalt genießen. Das heißt, es könnte im Falle eines Unfalls zu versicherungstechnischen Problemen kommen. Die Befugnis in anderen Ländern, teils auch in anderen Bundesländern, Touren zu führen, kann je nach Ausbildung stark eingeschränkt sein. Wir empfehlen ganz klar eine Ausbildung in einem der Ländervertretungen des Österreichischen-Bergsportführer-Verbands. Weiters besteht für Bergführer (IVBV) der Weg zur Ausbildung zum Schluchtenführer über ein Zusatzmodul.
Wo kann man Canyoning machen?
Canyoning ist eine Outdoor-Sportart, das heißt, Canyoning findet im Freien statt und zwar fast überall da, wo Wasser über die Jahrtausende eine Schlucht (Canyon) geformt hat. Dies beschränkt sich in Europa sehr stark auf den Alpenraum. Canyoning wird in fast allen Tourismusregionen angeboten. Österreich ist sicher eine gute Adresse, da hier die Natur von „Mild bis Wild“ alles bietet und hinter allen Landesverbänden eine fundierte Ausbildung zum Schluchtenführer steht. Auch weltweit erfreut sich dieser Sport einer immer größer werdenden Beliebtheit.
Welche Schuhe kommen fürs Canyoning in Frage?
Lange Zeit schon hält sich auf Platz 1 der Unfallstatistik „Unfälle beim Gehen“. Dies macht ganz klar deutlich wie wichtig spezielle Schuhe fürs Canyoning sind. Hierfür haben verschiedene Sportartikelhersteller diverse Amphibien- bzw. Canyoningschuhe entwickelt. Unsere Empfehlung ist ganz klar der Hydro Lace bzw. der Hydro Pro von Adidas. Solltet ihr an einer geführten Tour teilnehmen, empfehlen wir euch einen Anbieter zu wählen, der auch über Verleihschuhe verfügt. Wir raten definitiv von Sneakern oder leichten Turnschuhen in der Schlucht ab!
Die besten Canyoning-Touren?
Da Canyoning aus mehreren „Disziplinen“ (Abseilen, Klettern, Springen, Rutschen, Schwimmen) besteht, ist diese Frage sehr subjektiv. Da sportbegeisterte Menschen verschiedene Vorlieben haben, kann das schon mal stark differieren. Wir haben schon einige Touren europaweit gesehen und müssen ganz klar sagen, keine war schlecht. Welches die „Beste“ oder die „schönste“ Tour für euch ist, hängt ganz klar von euren Vorlieben, der Tourenplanung und der Führung eures persönlichen Guides ab. Wenn es eine Liste der „Top 10 CANYONS of Europe“ gäbe, würde es wahrscheinlich je 2 für Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien treffen.
Was kostet Canyoning?
Die Preise differieren europaweit teils stark. So gibt es beispielsweise Anfänger-Touren in Frankreich ab 45€/Person, die in der Schweiz bei 150CHF/Person liegen. In Österreich liegt die Einsteiger-Tour bei ca. 70€, die Fortgeschrittenen-Tour bei ca. 90€ und die Extrem- oder Tagestouren bei ca. 120€. Dies sind in der Regel Gruppenpreise bzw. Gruppenführungen. Bei Individual-Touren liegen die Preise natürlich höher, dafür kann man aber seine Tour „nur“ mit seinen Freunden genießen. Unser Tipp: Gleich bei der Anfrage erfragen ob für Equipment, Schuhe, Kamera/Fotos, Lunch, und Transfer noch etwas extra berechnet wird.
Welche Ausrüstung benötige ich fürs geführte Canyoning?
In der Regel wird die gesamte Ausrüstung vom Anbieter gestellt, das heißt Neopren-Anzug, Neopren-Socken, Canyoning-Schuhe, Gurt und Helm. Sollte euer Anbieter keine Schuhe stellen, empfehlen wir knöchelhohe feste Schuhe, die nicht zu schwer werden, wenn sie nass sind. Unter dem Neopren-Anzug wird für gewöhnlich Badebekleidung getragen, also Badehose oder Bikini/Badeanzug. Weiters empfehlen wir ein Funktionsshirt. Vorteil: Angenehmer für einen eventuellen Zustieg, etwas wärmer während der Tour und einfach hygienischer.

Hier zur besseren Übersicht noch eine kleine Auflistung der Dinge, die Ihr selbst mitbringen müsst:

  • Bikini, Badeanzug, Badehose
  • Handtuch
  • Falls Kontaktlinsenträger: Reservelinsen, sicherheitshalber aber eine Schwimmbrille, sollte euer Anbieter haben
  • Falls nötig Ohrstöpsel für höhere Sprünge, sollte euer Anbieter für euch haben
  • wichtige persönliche Medikamente wie z.B. Antiallergikum, Insulin etc.
  • kleine Trinkflasche, kein Glas
  • kleiner Snack, z.B. Müsliriegel
  • Neopren-Unterwäsche oder Funktionshirt, keine Baumwolle

Das sind die wichtigsten Dinge. Erwähnenswert wäre noch eine Helmhalterung für die Actioncam (z.B. GoPro) bzw. den eigenen Helm (bitte beim Guide erfragen, ob euer Helm canyoningtauglich ist).

Was ist Canyoning eigentlich?
Canyoning (BE) oder Canyoneering (AE) bezeichnet eine junge Trendsportart bei der eine Schlucht (Canyon) von oben nach unten begangen wird. Je nach Anspruch bzw. geologischem Aufbau, werden Wasserfälle oder andere Hindernisse durch Abseilen, Abklettern, Springen oder Rutschen überwunden und Pools durch Schwimmen und manchmal sogar Tauchen gemeistert. Die Entstehung liegt einige Jahrzehnte zurück (damals häufiger als Expedition von unten nach oben) und begann vermehrt in den südlichen Regionen der Alpen, in Spanien und in Frankreich, aber auch in Ländern wie Australien aufzuleben. Der Durchbruch im gesamten Alpenraum fand in den letzten 10-15 Jahren statt. Mitverantwortlich hierfür sind unter anderem die Entstehung einzelner Verbände & Vereine, die Ausbildungen zum autorisierten Schluchtenführer und ein kommerzielles Angebot für geführte Touren.
Kann Canyoning auch bei Regen durchgeführt werden?
Prinzipiell ja, denn nass werdet Ihr ja sowieso. Aber Spaß beiseite, es kommt dabei natürlich auf mehrere Faktoren an. Diese sind beispielsweise:Wieviel Wasser „verträgt“ die Schlucht? Wie groß ist das Einzugsgebiet bzw. wie ist hier der Bodenaufbau beschaffen (verkarstetes Gestein oder saftige Almwiesen)? Hat die Schlucht Zwangspassagen/Notausstiege? Etc… Diese Dinge sollte aber euer Guide schon bei der Planung berücksichtigen. Gerne könnt Ihr diese Dinge auch bei eurem Anbieter erfragen. Es existieren auch Schluchten mit Wasserfassungen am Oberlauf, sodass diese auch nach mehrtägigem Regen noch ohne Probleme begangen werden können. Einige Anbieter verkaufen Canyoning als Schlechtwetter-Alternative im Urlaub. Diese Meinung können wir nicht ganz teilen, da Sonne das Gemüt doch etwas positiver stimmt, man sich schneller erwärmt und die Sonne natürlich den Funfaktor erhöht.
Kann ich auch mit Kontaktlinsen/Brille am Canyoning teilnehmen?
Bei fast jeder Anfrage/Buchung wird diese Frage gestellt, umso besser ist es, dass wir diese jetzt schon hier beantworten. Brillenträger können bei leichteren Touren ohne harten Wasserkontakt oder großen Rutschen und Sprüngen ihre Brille tragen bzw. diese situativ kurz ausziehen. Wir empfehlen mindestens ein Brillenband, besser noch eine Sportbrille. Kontaktlinsenträger sollten auf jeden Fall Reservelinsen mitnehmen und, falls vorhanden, eine Schwimmbrille, die z.B. beim Abseilen durch das Wasser verhindert, dass die Linsen rausgespült werden. Falls Ihr nicht zwingend eine Brille oder Kontaklinsen tragen müsst, ist es immer komfortabler, diese nicht mitzuführen. Gerne könnt Ihr bei eurem Anbieter erfragen, ob Schwimmbrillen auch ausgeliehen werden können.
Kann ich auch ohne Guide oder Führer eine Canyoningtour begehen?
Auch diese Frage wird immer öfter gestellt und ist auch berechtigt. Trotz aller Neugierde oder Euphorie, ob man das alleine auch schaffen kann. Vorher sollte man sich ein paar wichtige Fragen stellen: Verfüge ich über die passende Canyoning-Ausrüstung und weiß ich, wie ich damit umgehen muss? Kenne ich die Canyoning-Seiltechnik/Rettungstechnik, die sich teilweise stark von der alpinen Technik unterscheidet? Habe ich verlässliche Informationen zur Schlucht? (Topographie, Zustieg, Einstieg, Notausstiege, Ausstieg, Handy-Empfang, Schwierigkeitsgrad) Wie sind meine meteorologischen Kenntnisse bzgl. Wetterveränderungen? Bin ich auf Überraschungen (z.B. Standplatz ausgebrochen, Verletzung) vorbereitet und kann ich diese Probleme meistern? Verfüge ich über Basics zum Thema Wasser-Lesen bzw. zur Strömungslehre? Solltet ihr all diese Fragen stressfrei mit JA beantworten können, dann steht einer Tour auf eigene Faust theoretisch nichts im Wege. Wir empfehlen euch für die Praxis: Bucht einen Canyoning-Kurs und baut auf eurem eigenen Level auf. Dann sollte das mit genügend Eigenverantwortung durchaus machbar sein. Ähnlich wie das tausende Skitourengeher jeden Winter in LVS-Kursen machen. Beispielsweise gibt es in Südfrankreich einige leichte Schluchten die immer wieder von Familien (fast ohne Ausrüstung) durchwandert werden. In solchen Regionen ist der Anteil an Privat-Gehern wesentlich höher als beispielsweise in Österreich, was natürlich schon geologisch bedingt ist.
Canyoning für Kinder/Anfänger?
Wie bei vielen alpinen Sportarten gibt es auch beim Canyoning verschiedene Schwierigkeitsgrade. In den seltensten Fällen wird dies direkt kommuniziert, eher wird z.B. von einer Anfänger-Tour gesprochen. Diese hat dann einen Gesamt-Anspruch, der von jedem durchschnittlich-sportlichen Menschen zwischen 12 und 60 Jahren ohne Vorkenntnisse bewältigt werden kann. Bei Canyoning-Anfänger-Touren können in der Regel alle Rutschen und Sprünge umgangen bzw. abgeseilt werden. Auch kann der Gast vom Guide passiv abgeseilt werden, sollte man sich das selbst nicht gleich zutrauen. Schwindelfreiheit und gute Schwimmkenntnisse sind für die meisten Anbieter eine Voraussetzung und das ist auch gut so.